Auf den Spuren von Hermann Hesse (Okt´19)

Jahrgangsstufe 1 on tour

Persönliche Krisen? Fragen nach dem Sinn im Leben? Das Gefühl von Einsamkeit? Das Gefühl, dass ein Tag schon schlecht anfängt und dein Leben einem einzigen Trümmerhaufen gleicht? Hermann Hesse (1877-1962), der Autor des Romans „Der Steppenwolf“, kannte das nur zu gut.

Um diese Gedanken besser verstehen zu können, haben wir, die internationale Wirtschaftsklasse, im Rahmen des Deutschunterrichts und der Unterrichtseinheit „Der Steppenwolf“ , am 09.10.2019 einen Ausflug nach Calw zur Geburtsstadt Hermann Hesses unternommen. In Calw wurden wir von Herrn Tauber durch die pittoreske Altstadt mit ca. 24.000 Einwohnern geführt. Neben Hesses Geburtshaus, das direkt gegenüber von dem Rathaus steht, wurden uns einige historische Plätze in Calw gezeigt, die Hermann Hesse im Laufe seines Lebens immer wieder inspiriert haben. Nach der Stadtführung ging es in das Hermann Hesse Museum, das jedoch nicht Hesses Geburtshaus ist. Hesse 3

Das Museum selbst ist ein gutbürgerliches Haus, dessen einzelne Räume chronologisch das Leben von Hermann Hesse beschreiben. Das Museum beherbergt seit 1990 die weltweit größte Dauerausstellung über den Schriftsteller, Dichter und schließlich sogar Nobelpreisträger. Er erlangte vor allem durch seine beiden Romane „Der Steppenwolf“ und „Das Glasperlenspiel“ internationale Berühmtheit. Die über fünfzig Romane und Erzählungen Hesses, aber auch seine über sechshundert Gedichte, wurden in alle Kultursprachen der Welt übersetzt.     

Im Museum erfuhren wir beispielsweise, dass Hermann Hesse seinen Großvater, der unter anderem als Missionar in Indien tätig war, verehrt hat und dass dieser im Gegensatz zu seinen Eltern mehr Verständnis für Hermann Hesse hatte - eine Information, die man nicht so ohne Weiteres im Internet oder in einer Lektürehilfe findet.     

Hierfür ist es wichtig zu wissen, dass Hermann Hesse in einem pietistischen Elternhaus aufgewachsen ist und seine Eltern immer wieder versucht haben, ihn von den Vorzügen des Glaubens zu überzeugen. Sie schickten ihn in die Klosterschule in Maulbronn, aus der er eines Tages floh. Hesse unterdrückte durch den Konflikt mit seinen Eltern jahrzehntelang wichtige Teile seiner Persönlichkeit, fing an sich selbst zu hassen und bekam tiefe Schuldkomplexe. Er unternahm bereits im Alter von nur fünfzehn Jahren seinen ersten Selbstmordversuch, der glücklicherweise scheiterte. Sein Leben war geprägt von Selbstmordgedanken und seelischer Zerrissenheit, was sehr gut in seinem Roman „Der Steppenwolf“ illustriert wird. Der Autor hatte oft das Gefühl, dass ihn ein schwarzer Schatten den ganzen Tag über verfolgen würde.     Hesse 4

Hermann Hesse wollte sich selbst verwirklichen und war bereit für seinen Traumberuf als Schriftsteller zu kämpfen. Er wehrte sich gegen jegliche Art der Unterdrückung und ließ sich nicht von seinem Umfeld bremsen. Er hatte es mit Sicherheit nicht immer leicht im Leben, doch trotz alledem erkannte er, dass „auch das unglücklichste Leben […] seine Sonnenstunden [hat].“ (Der Steppenwolf, S. 4, Z.4f.) Hesse 2

Ein Ausflug nach Calw lohnt sich auf jeden Fall im Rahmen des Deutschunterrichts, vor allem wenn man bedenkt, dass man das neu erworbene Wissen direkt in der nächsten Klassenarbeit und im Unterricht anwenden kann. Wir bedanken uns bei Frau Bär, die uns während diesem Ausflug begleitete.

(Jonas Gerl)



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