Expedition ins Aspirinlabor (Dez´19)

Chemiekurs on tour

Die heutige Pharmaindustrie erlangt nicht gerade mit positiven Schlagzeilen Aufmerksamkeit und auch der Branchenprimus, die Bayer AG, steckt in einer Krise. Zudem sehen immer mehr Menschen die Wirkungen diverser Arzneimittel skeptisch, darunter auch das weit verbreitete Hilfsmittel „Aspirin“. Dieses soll, aktuellen Studien über Nebenwirkungen von Medikamenten zur Folge, die dem Focus vorliegen, ototox (gehörschädigend) wirken und Schwerhörigkeit im jungen Alter mitverursachen. Ein akribischer Blick lohnt sich also auf dieses Mittel. Zwar galt unser Ausflug keiner kritischen Studie, stellte indes eine tiefgründige Einsicht in die Welt der Chemie und Pharmazeutik dar. Wir waren dabei, eigenhändig den Wirkstoff herzustellen. 2019 12 Experimenta1

Der ehrgeizige Chemiekurs um Lehrerkraft Frau Streb des Wirtschaftsgymnasiums Ettlingen wagte den Exkurs hinter die Kulissen eines der modernsten Schülerlabore Baden-Württembergs. Auf den Spuren von Arthur Eichengrün und Felix Hoffmann, den Pionieren auf dem Gebiet der Aspirinherstellung, begab sich die Chemikerdivision Frau Strebs am 2.12 des Jahres 2019 nach Heilbronn, an die neu konzipierte „Experimenta“.

Der Vormittag

Der morgendliche Nebelschleier umhüllt den Bahnhofsplatz zu Heilbronn. Nach und nach versammelt sich der Trupp am vereinbarten Treffpunkt. Ein Gebäude, wie von Kinderhand konstruiert. Dem gegenüber, ein seriöses Backsteinbauwerk mit mehreren Stockwerken. Was anfangs kafkaesk und nach einer schauderhaften Tatortbeschreibung klingt, stellt sich als unser Zielort heraus. Nach einer reüssierten Anfahrt mit Automobil und der, von Frau Streb liebevoll bezeichneten, „Strapazenbahn“ nahmen uns Herr Dr. Eckolt und sein Kollege unter ihre Obhut und stellten sogleich unser Wissen auf den Prüfstand. Es folgte eine aufregende Praxisphase auf den theoretischen Teil. Der Duft von Essig steigt auf, hier ein Pfeifen der Wasserdruckpumpe, dort ein Schlacksen der Arbeitshandschuhe, die fokussierten Blicke der Praktikanten, vorsichtige Messungen, kontrolliertes Erhitzen und diese stilsicheren Schutzbrillen in Kombination mit dem obligatorischen Laborkittel in Farbe Edelweiß komplettieren das Laborambiente. Mit klaren Instruktionen und fachlichen Hilfestellungen assistierten die gestandenen, erfahrenen Chemiewissenschaftler unser Vorgehen, das dem Produktionsverfahren der industriellen Erzeugung von Acetylsalicylsäure (ASS), der Wirkstoff in Aspirin, wenn auch vereinfacht, sehr nahe kommt. Die Schwierigkeit dieses Prozesses wurde uns bewusst, als wir für eine optimale Ausbeute die Betriebstemperatur während der Reaktion in einem minimalen Feld von 88°C bis 92°C halten mussten. Eine komplizierte Angelegenheit für Laien, dennoch meisterte jede Gruppe diese Etappe und konnte zu Mittag stolz mit gutem Gefühl eine Proviantpause einlegen. 2019 12 Experimenta2

Der Nachmittag

Zurückgekehrt und frisch gestärkt, hieß es für uns aufgemerkt. Denn der nun erwartete uns die strenge Analyse unserer zuvor geleisteten Arbeit. Zu Beginn testeten die Gruppen ihr Endprodukt auf dessen Reinheit. Ein wenig „Breaking Bad“-Flair lag in diesem Testverfahren; wie eigentlich im ganzen Laboraufenthalt. Bei der Berechnung des Reinheitsgrades duellierten sich die Anwärter mit allen Mitteln, hauptsächlich ihrem Aspirin. Zusätzlich befeuerte Frau Streb den Wettbewerb, in dem sie an die erstaunlichen Resultate des vergangenen Kurses erinnerte. Am Ende freuten sich die Sieger, mit knapp über 50% Ausbeute, über Ruhm und Ehre. Die Gewinner auf den Folgeplätzen 2,3 und 4 dürften sich trotz allem als Sieger einer weiteren Erfahrung sehen, welche noch nicht dem Ende geneigt war. Denn im Anschluss begann eine Investigationsphase, bei der wir Schüler selbständig chemische Zusammenhänge anhand unseres Experimentes erarbeiten durften und beim Zusammentragen der Erkenntnisse sprang noch die eine oder andere spannende Eingebung heraus. Wussten sie, dass Aspirin besser in Alkohol zu lösen ist als in Wasser? Das hängt mit der Hydrophilie polarer Stoffe zusammen. Ebenfalls erstaunlich war nicht zuletzt die enorme Präzision, die für Untersuchungen und Hantieren im Labor generell von Nöten ist. Beispielsweise evozierte eine winzige, mit dem Auge kaum sichtbare Luftblase eine drastische Abweichung in der Siedetemperatur der Acetylsalicylsäure. Die Zeit schritt voran und wir näherten uns dem Ende unseres Praktikums in Heilbronn. Wir verabschiedeten uns von den beiden Experten, deren Bereitschaft sich unserer anzunehmen überaus freundlich war.

Fazit

Zusammenfassend darf nicht unerwähnt bleiben, dass dieser Ausflug einen wunderbaren Vorgeschmack auf das praktische Leben als Laborant lieferte und die wissenschaftlichen Methoden ein interessantes Abbild ablieferten, von der herkömmlichen Chemieindustrie. Der Exkurs wurde auch von den Schülern positiv empfunden und ein privater Abstecher in die Experimenta bietet eine spannende, alternative Erfahrung für das Wochenende.

Dem Aspirin auf den Zahn zu fühlen, ist uns erfolgreich gelungen und über die Effekte, die das Pharmazeutikum auf den Körper hat, verlor Dr. Eckolt ein paar Worte. Er merkte an, dass eine Überdosis zu Tod führe und die Acetylsalicylsäure dem Körper schaden könne. Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, und in welchem Maße sie/er Gebrauch von Medikamenten macht. Unsere Exkursion half definitiv den Horizont jedes einzelnen zu erweitern und verschaffte ein erweitertes Bild auf die pharmazeutischen Industrie. 2019 12 Experimenta4

Unsere Danksagung wendet sich an Dr. Eckolt und an Frau Streb, die die Lehrfahrt organisiert hat und uns ermöglicht hat, diesen aufregenden Tag zu erleben.

Louis Moret WG 2/1



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