Demokratie eine Stimme geben, ihr einen eigenen Sound verleihen, genau darum ging es in einem zweitägigen fächerübergreifenden Projekt (Deutsch und GGK) mit unserem Partner Kanzi. Unter der Leitung von Rap-Coach Jens Amschlinger haben Schüler:innen der BK1-3 einen eigenen Song geschrieben und aufgenommen – und dabei erlebt, wie sich demokratische Werte nicht nur denken, sondern auch ausdrücken lassen.
Tag 1: Reime, Rhythmus und Grundlagen
Nach dem Kennenlernen ging es zunächst ums Reimen. Vom eigenen Namen über einen selbst gewählten Künstlernamen bis zu spontanen Reimketten im Kreis. Nebenbei wurden Reimschemata und rhetorische Stilmittel anhand echter Raptexte aufgefrischt.
Inhaltlich näherten sich die Schüler:innen dem Thema Demokratie: Was bedeutet der Begriff eigentlich? Welche Rolle spielt das Grundgesetz? Dabei zeigte sich, dass das Vorwissen der Schüler:innen bereits erfreulich groß war.
Anschließend richtete sich der Blick auf den eigenen Alltag. Wie erleben wir Demokratie und demokratische Werte in der Schule, im Freundes- und Familienkreis, im eigenen Land und in der Welt? Wo wünschen wir uns mehr davon, wie kann dieses „mehr“ aussehen und wo sehen wir Missstände?
Tag 2: Vom Thema zum fertigen Song
Am zweiten Tag wurde es konkret. Nach der Wahl eines passenden Beats einigten sich die Schüler:innen per Abstimmung auf ein Thema, das ihren Song tragen sollte: Gleichberechtigung. Nach einer kurzen Theorieeinheit zum Aufbau eines Rapsongs, ging es in Gruppenarbeit weiter. Eine Gruppe schrieb die erste Strophe, eine die zweite, eine den Refrain – so konnte jede Gruppe eigene Akzente setzen, während am Ende alles zu einem großen Ganzen zusammenfand.
Der Anfang war dabei die größte Hürde. Das leere Blatt, vor dem man erst einmal steht und nicht weiß, wo man anfangen soll. Schritt für Schritt haben die Schüler:innen gelernt, sich diesem Punkt zu nähern. Erst alle Gedanken frei sammeln, dann ordnen, dann in Sätze und schließlich in Reime bringen. Mit viel gegenseitigem Feedback und einigen Anpassungen an den Beat entstand so nach und nach der fertige Text.
Am Ende übernahmen eine Schülerin und ein Schüler je eine Strophe im Alleingang, im Refrain sangen schließlich alle gemeinsam mit.
Die eigene Stimme laut zu erheben, gehört zu werden und die volle Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu spüren – das ist gar nicht so einfach, das kostet Überwindung. Doch mit gegenseitiger Bestärkung und viel Zuspruch ist das allen gelungen.
Eine einzelne Aufnahme reichte dabei nie – mal verhaspelte man sich, mal lag man nicht ganz auf dem Beat. Also hieß es dranbleiben, es noch einmal versuchen. Und mit der Zeit gelang es immer besser, sich ganz auf sich selbst und die Musik zu konzentrieren und das Drumherum auszublenden.
Dabei entstand ein besonderes gemeinsames Erlebnis. Volle Konzentration und Stille, wenn jemand einsang, Mitfiebern und Zuspruch von allen Seiten. Und wenn Jens schließlich zufrieden nickte und sagte, dass es passt, dann gab es Applaus, die Anspannung wich und machte Erleichterung und echtem Stolz Platz.
Herausforderung mit Gänsehautmoment
Diese zwei Tage waren für viele eine echte Herausforderung – nur wenige waren echte Naturtalente, und selbst die waren überrascht, was in ihnen steckt. Genauso überrascht und begeistert waren auch die anderen. Entstanden ist dabei vor allem eines. Ein starkes Gemeinschaftsgefühl, geprägt von gegenseitigem Ermutigen, Unterstützen und gemeinsamem Feiern. Wer bis zum Schluss drangeblieben ist, konnte zurecht stolz auf sich sein. Eine Schülerin brachte es treffend auf den Punkt: Man denkt zuerst, man schafft es nie, bleibt aber dran, traut sich trotzdem und kommt am Ende irgendwie ans Ziel. Selbst wenn man mit dem Ergebnis nicht 100% zufrieden ist, man hat etwas geschafft, das man sich anfangs nie zugetraut hätte. Und genau das ist ein Gewinn, der weit über den Workshop hinausreicht. Neugierig bleiben, Neues ausprobieren, Fehler machen dürfen, üben, dranbleiben und am Ende stolz auf das Erreichte sein, im besten Fall gemeinsam mit anderen.
Was bleibt
Aus diesem Projekt nehmen die Schüler:innen zweierlei mit. Zum einen die inhaltliche Auseinandersetzung. Demokratie ist kein abstraktes Konzept, sondern begegnet uns überall im Alltag. Und sie ist keine Selbstverständlichkeit, die einfach so bestehen bleibt. Es lohnt sich, genau hinzuschauen, selbst aktiv zu werden und sich für sie einzusetzen.
Zum anderen – und mindestens genauso wichtig – das gelebte Gemeinschaftserleben: gemeinsam aushandeln, sich gegenseitig Mut machen, Aufgaben teilen und am Ende gemeinsam feiern, was man geschafft hat.
Und nicht zuletzt: die eigene Stimme zu erheben und gehört zu werden. Im Alltag kommt das selten vor. Dabei gehört genau das elementar zur Demokratie dazu.
Ein herzlicher Dank geht an unseren Partner Kanzi und an Rap-Coach Jens Amschlinger für zwei intensive, wertvolle Workshoptage. Möglich gemacht wurde das Projekt durch die Förderung über den Demokratiefonds von pro:fellow.